Was aus einem Foto wird – Teil 8

Was aus einem Foto wird – Teil 8

Seit ewig langer Zeit habe ich keinen Sonnenaufgang mehr fotografiert, und ich hatte da auch mal wieder richtig Lust zu. Ich war in Mecklenburg-Vorpommern, genauer am Krakower See und stand pünktlich auf einem Steg, den ich mir ausgeguckt hatte. In meiner Vorstellung hatte ich mir das so idyllisch ausgemalt, frühmorgens in aller Stille den Sonnenaufgang fotografieren und meinen Gedanken etwas nachhängen. Das mit der Stille war so relativ, nicht einkalkuliert hatte ich, dass um die Zeit die Vögel schon im Randalemodus sind. Das war ein ziemlicher Lärm. Aber gut, man kann nicht alles haben, Hauptsache ich bekam meine Fotos.

Es wurden einige Fotos und ich möchte anhand eines Exemplares einmal zeigen, welche Werkzeuge und Adobe in Lightroom Classic in der letzten Zeit so an die Hand gegeben hat. Stichwort: KI, künstliche Intelligenz. Um es vorwegzunehmen: es ist schon beeindruckend, was das alles kann. Zur Info: Das Bild ist entstanden mit einer Fujifilm X100V bei f/8 und ISO 160. Let’s start:

Wie Sie sehen, sehen Sie – nicht viel. Man kann erahnen, dass da eine Sonne ist, Wasser im Vordergrund zu sein scheint. Das Bild ist aber an sich völlig unterbelichtet. Dagegen hilft dann nur noch, die Belichtung nach oben zu korrigieren:

Ich bin zugegebener Weise durchaus beeindruckt, was die Sensoren heute können, welchen Dynamikumfang sie haben. Dennoch, man erkauft sich diese Korrektur mit einem leichten Rauschen, was durchaus auch schon zu leichten Unschärfen führt. Hier habe ich die Belichtung um 4 Blendenstufen nach oben korrigiert. In der folgenden Bearbeitung macht sich das Rauschen umso mehr bemerkbar.

In dieser Version ist schon ziemlich viel gemacht. Kontrast, Klarheit, Struktur und Tonwertkorrekturen sind hier eingeflossen – ich mag in solchen Bildern halt Drama. Ist nicht jedermanns Geschmack, ist mir auch bewusst. Ebenfalls entfernt ist der Kondensstreifen. Hier gab es in der Vergangenheit auch schon entsprechende Tools, um Bildstellen zu reparieren oder zu klonen. Habe ich auch probiert, aber am Ende habe ich auf das Tool „Entfernen“ zurückgegriffen, was es bereits seit einigen Monaten in Lightroom gibt. Das Ergebnis ist das sauberste, was sich erreichen ließ. Man sieht eigentlich nichts mehr.

Was sich hier in der großen Ansicht aber zeigt ist, dass diese Korrekturen das Rauschen sehr stark zutage fördern. Bis zu diesem Punkt erfolgte die Bearbeitung übrigens auf dem iPad mit der mobilen Version von Lightroom. Mangels Verfügbarkeit der entsprechenden Funktion, konnte ich die letzte Korrektur erst am heimischen Rechner machen, in Lightroom Classic. Dort gibt es nämlich seit ein paar Wochen eine entscheidende Funktion, AI-basiertes Entrauschen.

Selbst in der kleinen Vorschau ist es schon zu erkennen, das Rauschen ist deutlich weniger. Sowohl auf dem iPad als auch am Rechner habe ich versucht, mit dem bisher vorhandenen Entrauschungsbordmitteln eine entsprechende Rauschreduzierung hinzubekommen. Keine Chance. Klar wurde es auf die eine oder andere Weise immer besser, aber dafür blieben dann an der einen oder anderen Stelle auch immer wieder Details auf der Strecke. Erst am Rechner, mit der neuen Entrauschen-Funktion, die durch die KI unterstützt wird, ist ein Ergebnis zu erreichen, das einen guten Kompromiss zwischen Rauschreduzierung und dem Erhalt der Details eingeht. Man muss mit dem Regler allerdings schon mit etwas Fingerspitzengefühl umgehen. Je nach Motiv kann eine zu heftige Korrektur zu „seltsamen“ Ergebnissen führen, die unansehnlich sind. Hier gilt es, das richtige Maß herauszufinden. In diesem Beispiel habe ich mich für 50 Prozent entschieden, meiner Meinung nach auch ein guter Startwert, um ein Gefühl für ein mögliches Ergebnis zu bekommen.

KI ist seit einigen Monaten in der Fotografie groß in der Diskussion. Hier soll es auch nicht das Thema als solches sein. Klar ist aber, dass im Bereich der Bildkorrekturen die Künstliche Intelligenz eine große Hilfe sein kann. Wo die Reise hingeht, vermag ich nicht zu sagen. Es bleibt aber spannend und ich bin momentan ziemlich angenehm überrascht, was da auch aus an sich hoffnungslosen Bildern noch wieder herauszuholen ist. Zeit, sich dem einen oder anderen Altmaterial zuzuwenden und zu experimentieren.

Nachtrag

Hier noch einmal eine Version mit 100% Entrauschen gerechnet. Der Himmel ist jetzt sehr „malerisch“ geworden. Kann man natürlich auch als Stilmittel verwenden.

3 kommentare

Da gehe ich mit. Ist echt schon verrückt, was mit einfachsten Mitteln aus einem Bild herauszuholen ist. Aber dank der KI brauchen wir für schöne Sonnenaufgangsbilder nicht mehr so früh aus dem Haus gehen. Nee. Für mich ist das Knipsen wichtiger als das Ergebnis an sich. Die KI möchte ich nur zum Entrauschen und dem Entfernen von störenden Details nutzen.

Ich habe in der letzten Zeit auch schon mal mit KI erstellten Bildern experimentiert. Beeindruckend, was da herauskommt. Aber mir geht es durchaus auch darum, mit der Kamera in der Hand loszuziehen, und meine Bilder auf die althergebrachte Art zu erstellen. Was dann in der Nachbearbeitung dabei herauskommt, ist eine andere Geschichte, da kann ich nach Lust und Laune entscheiden, soll es mehr real sein oder mehr meiner Phantasie entspringen.

Ja, gerade als Fujianer ist das neue Entrauschen eine tolle Möglichkeit nochmals an Bildern den letzten Schliff herauszuholen.
Ich bin auch sprachlos ob der (neuen) Möglichkeiten und nutze das, was für mich passt und wichtig ist.

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