Wenn ein Bild länger braucht

Wenn ein Bild länger braucht

Wenn ich privat mit der Kamera unterwegs bin, dann nehme ich nicht jedes Bild mit das sich mir bietet. Wenn ich von vornherein schon überzeugt bin, dass das Bild mir im Nachgang nichts geben wird, dann drücke ich erst gar nicht auf den Auslöser. Obwohl es mich an sich ja nichts kosten würde, ist ja digital. Wenn Schrott dann löschen.

Und dennoch selektiere ich schon unterwegs. Denn ich müsste mich spätestens Zuhause noch einmal mit dem Bild beschäftigen. Dazu habe ich dann einfach keine Lust wenn ich schon vor der Aufnahme davon überzeugt bis, das wird nichts. Soweit so gut. Dann gibt es aber diese Bilder, diese Momente wo mein Bauchgefühl mir sagt “Nimm mich mit”. Auch wenn ich in dem Augenblick noch nicht so richtig sicher bin, ob es hinterher “ein Bild wird”.

Im ersten Moment fällt das Bild durch

Das ist dann eines der Bilder, die bei der Durchsicht der Fotos zur Kenntnis genommen werden, aber in der Bewertung erstmal durchfallen und auf der Festplatte liegen gelassen wird. Weil ich eben auch nicht sicher bin, ob es wirklich gelöscht gehört. Da hebe ich es lieber noch etwas auf bevor es dann doch den Weg allen irdischen geht. So ein Bild liegt dann da erstmal im System und schläft seinen Dornröschenschlaf. Wie lange es da liegt ist sehr unterschiedlich. Oft “falle” ich dann durch Zufall über das Bild, weil ich etwas bestimmtes suche. So ist es z.B. mit dem Bild aus Neuengland gewesen, dass ich Euch schon einmal im Rahmen “Was aus einem Foto wird” vorgestellt habe. Zwischen der Aufnahme und dieser Version des Bildes liegen ein paar Jahre. Es kann auch sein, dass ich einfach durch eine Serie durch scrolle, um die Bilder Revue passieren zu lassen. Wie in diesem Bild, bei dem ich beim Durchscrollen dann doch hängen geblieben bin.

Meer im Frühjahr

Das Foto ist erst von ein paar Tagen bei einem Besuch an der Nordseeküste entstanden. Eigentlich wollte ich mich durch die Bilder inspirieren lassen – nur anders als es jetzt passiert ist. Am Ende spielt es aber keine Rolle, es ist ein Ergebnis dabei heraus gekommen. Dieses Foto habe ich geschossen ohne damit etwas bestimmtes vor zu haben. Ich habe es mitgenommen, weil es eben da war und mir mein Bauchgefühl gesagt hat, mach das Foto bevor Du Dich später ärgerst. Was mir natürlich niemals passiert, dass ich mich darüber ärgere ein Bild nicht gemacht zu haben, obwohl mein Bauch gesagt hat: mach es.

Es ist ein leises Bild. Das Wetter eher trüb als sonnig, die See immer noch relativ ruhig. Es ist kein Foto das einen anschreit. Und das ist genau das weshalb mich diese Szene angesprochen hat. Es ist ein Ausdruck von Ruhe in diesen doch sehr bewegten Zeiten. Wenn man sich das Bild dann bildschirmfüllend anschaut, dann macht es zumindest mit mir etwas. Darum geht es bei Fotos.

Das sind dann die Bilder, die eben etwas länger brauchen. Länger brauchen um gesehen zu werden.

2 kommentare

Hallo Christian,
Bilder kommen zu einem.
Manchmal sehe ich auch eine Szene und sehr selten sehe ich eine Szene und mir kommt sogar dazu die passende Musik dazu in den Sinn.
Vielleicht brauchen wir manchmal auch nur die richtige Stimmung zu sehen und zu erleben.
Allerdings kann auch manchmal einfach „Bilder sammeln“ eine gute Methode sein, in die richtige Stimmung zu kommen.
Also lass dich weiter treiben und bleib offen für deine Bilder.
Vielen Dank fürs teilen.

Die Stimmung ist wichtig. Es gibt Tage, da habe ich Lust Fotos zu machen. Auf der einen Seite. Aber ich komme dann mit genau null Bildern nach Hause. Weil mich nichts angesprochen hat. Früher hat mich das irritiert. Heute weiß ich, das ist normal.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website benutzen Cookies. Wenn Sie die Website weiter nutzen, stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Mehr Infos: Datenschutzerklärung
Cookies akzeptieren