Uns Fotovolk beschäftigt gefühlt im Wesentlichen zwei (technische) Themen in der Fotografie: ISO und der Autofokus. Insbesondere bei neuen Kameras. Im Bereich ISO werden dann die Erwartungen immer hoch gehängt. Wenn man sich dann mal hinterher einmal die Mühe macht, altes und neues Modell zu vergleichen, dann ist der Sprung, den man dann macht, eher ein Sprüngchen. Das war nicht immer so, es gab Zeiten, da lagen spürbare Verbesserungen zwischen den Generationen. Hier möchte ich einmal eine kleine Reise durch meine relevanten Kameras machen, wie sich das Thema ISO über die Zeit so verändert hat. Auch hinsichtlich der heutigen technischen Möglichkeiten, ein Bild noch “retten” zu können – was damals nicht ging. Bei den Vergleichen findet die Rauschreduzierung in Lightroom Classic mit der KI-gestützten Entrauschung statt. Ja, es gibt Programme, die das inzwischen besser können, aber für meinen Workflow finde ich ein externes Programm eher hinderlich.
Ich starte im Jahr 2006, da zog die Kamera bei mir ein, mit der ich auch in die gewerbliche Fotografie startete, die Sony R1. Ungewöhnliches Design, Schwenkdisplay auf der Oberseite, hat mir sehr viel Spaß gemacht. Die R1 ist eine sogenannte Bridgekamera. Gemeinsam mit den Superzooms füllte sie damals die Lücke zwischen Kompakt- und Spiegelreflexkameras. Technische Daten und Bilder der Kamera findet Ihr hier.
In Sachen ISO war bei 3200 Schluss. Das war auch besser so, denn eigentlich waren die Bilder da schon nicht mehr brauchbar. ISO 1600 war schon grenzwertig, wenn es aber nicht anders ging, dann hat man es halt genommen. Aber wirklich sinnvoll verwendbar war maximal ISO 800. Wenn ich mir angucke, mit welchen Werten ich heute arbeite, stelle ich mir die Frage, wie ich das damals gemacht habe. Fairerweise muss aber erwähnt werden, dass wir heute in der Nachbearbeitung ganz andere Möglichkeiten haben. Weshalb ich seit vielen Jahren meinen Kameras per AutoISO erlaube, bis ISO 6400 hochzugehen und nach jüngsten ersten Gehversuchen sogar bis 12800. Dazu später aber mehr. Hier einmal ein Beispiel aus der R1, ISO 3200 als unbearbeitetes RAW und daneben der “Rettungsversuch”:


Um brauchbare Verschlusszeiten zu erhalten, belichte ich damals wie heute eine Blende dunkler und korrigiere in Lightroom entsprechend wieder hoch. Das Problem sieht man hier sehr deutlich, es rauscht sehr stark und das ist “nur” ISO 3200.
Kommen wir zur nächsten Kandidatin, Nikon D700. Meine erste und tatsächlich auch einzige Vollformatkamera. Ein echtes Arbeitstier, die mich auch lange begleitet hat. Das war ein echter Sprung nach vorn, denn zum einen konnte sie überhaupt höhere ISO-Werte, zum anderen war sie selbst bei ISO 6400 rauschärmer als die R1.


Selbst nach der Belichtungskorrektur um +1 wäre das Bild noch brauchbar. Das ist natürlich immer vom Verwendungszweck abhängig, aber vom Grundsatz her ist es tauglich. Nach der Rauschreduzierung so oder so.
Wir bleiben bei Nikon, verlassen aber das Vollformat und wenden uns dem APS-C-Sensor zu. Technisch sind wir damit auf dem Stand von 2010, was man durchaus auch sieht. Ab jetzt wird es auch etwas vergleichbarer, da wir uns von nun an nur noch im Bereich dieser Sensorgröße bewegen. Damals hatte diese Sensorgröße noch sehr mit Rauschen zu kämpfen und man bewegte sich so um die 16MP Bildauflösung, während man im Vollformat dabei war, die 20MP zu überschreiten.


Auch hier wieder eine Stufe unterbelichtet und in Lightroom wieder hochgezogen. Ein Wort noch zu den Bildqualitäten: Die Bilder hier sind absichtlich unbearbeitet, bzw. nur mit der heute (Dezember 2025) in Lightroom Classic verfügbaren Technik entrauscht. Jegliche weitere Bildbearbeitung würden diesen Vergleich schlicht verfälschen. Könnte ich machen, weil ich keinen “Labortest” mache, aber halbwegs nachvollziehbar soll das schon sein. Deshalb habe ich auch Schwächen der Objektive nicht auskorrigiert.
Die D7000 war übrigens auch die letzte (digitale) Spiegelreflexkamera, die in meinen Haushalt eingezogen ist. Denn das DSLR-Geraffel wurde mir einfach zu schwer, zumindest für den privaten Einsatz. So kam es denn, dass eine Sony Nex-6 meinen Kamerafuhrpark erweiterte, die gemeinsam mit einem Tamron 18-200mm meine Begleiterin in der Freizeit werden sollte. So der Plan, aber Pläne haben ja seltsame Eigenschaften. Daher kam sie dann auch in Fotojobs zum Einsatz. Was auch das Ende meiner DSLRs einläutete.


Weil mir das gerade über den Bildschirm flitzte, bleiben wir noch eine Runde bei der Nex-6. Wir drehen aber eine High-ISO-Runde. Bislang waren wir bei ISO 6400. Das lag schlicht daran, dass zumindest meine technischen Möglichkeiten in der Nachbearbeitung limitiert waren und alle höheren ISO-Werte in Sachen Rauschen für mich nicht mehr sinnvoll beherrschbar waren. Mit dem Stand 2025 sieht das etwas anders aus. Hier ein Bild aus der Nex-6 bei ISO 25600.


Vergleicht man das einmal mit der R1, so haben wir in der unbearbeiteten Version ein vergleichbar starkes Rauschen. Aber eben bei ISO 25600 und nicht bei 3200. Die R1 kam 2005 auf den Markt und hat einen APS-C ähnlichen Sensor. Die Nex-6 erschien 2012, also sieben Jahre später. Das war eine ziemliche Entwicklung.
Dem Sony-Lager blieb ich zunächst mal treu und so landete 2017 die a6500 auf meinem Schreibtisch. Markteinführung der Kamera war Dezember 2016. Ich versprach mir davon einen deutlich schnelleren AF (siehe oben ;-)), bessere ISO-Leistung (siehe wieder oben) und der interne Stabilisator waren für mich gute Argumente. Was soll ich sagen, hat alles gepasst, Erwartungen mehr als erfüllt.


Selbst ohne die Rauschreduzierung ist das Bild eingeschränkt nutzbar. Was will man mehr. Dadurch hat man natürlich in der Nachbearbeitung ganz andere Möglichkeiten. Finde ich gut. Das Schiff im Dock von Blohm + Voss ist übrigens die “Artania”. Nur falls es jemanden interessiert. 😉
In Ermangelung eines ISO 25600 Bildes, kann ich hier nur ein ISO 51200 Bild zeigen. Leider keine Nachtaufnahme, aber ich habe trotzdem einmal die Belichtung um eine Blende nach oben korrigiert und dann die Lichter wieder etwas heruntergezogen. Auf das Rauschen hat das keine Auswirkung gehabt.


Im Ergebnis: Grenzwertig, beide. In der unbearbeiteten Version sieht man sehr deutliches Rauschen, wenn man das weg korrigiert, sieht das Fell im Hintergrund seltsam aus. Müsste man einmal mit anderen Programmen testen, aber ich bin in dem ISO-Bereich eh nicht unterwegs. Was hier noch auffällt ist, dass die Rauschreduktion einen Einfluss auf den Weißabgleich nimmt. Auch das müsste man einmal in einer anderen Software gegen testen.
Die letzte Kamera im Bunde war wirklich nicht als Jobkamera gedacht und das habe ich bis auf eine Ausnahme auch durchgezogen – Corona sei Dank, denn nach dieser einen Ausnahme war mir klar: Warum denn die nicht auch nutzen, sie kann es ja. Ist aber ein anderes Thema. Wir reden von der Fujifilm X100V, meine Herzenskamera. Markteinführung war Februar 2020, in meiner Fototasche landete sie zu Weihnachten im gleichen Jahr. Auch sie bekam, wie alle anderen Kameras (natürlich mit Ausnahme der R1), im AutoISO-Modus die Begrenzung auf ISO 6400.


Was soll man dazu noch sagen? Meiner Meinung nach ist das absolut nutzbar. Das Rauschen ist in meinen Augen kein technischer Nachteil, sondern in der Art und Weise eher Stilmittel. Wenn man es denn doch loswerden will, ist das auch kein Thema. Ein richtiges High-ISO habe ich tatsächlich noch nicht mit der Fuji geschossen, keine Ahnung warum. Aber aufgrund des folgenden Bildes (ISO 12800), werde ich da auch mal experimentieren:


Mein Fazit aus dem Ganzen: Wer sagt, er benötigt eine neue Kamera wegen niedrigerem ISO-Rauschen, muss sich die Frage stellen lassen, ob das wirklich so ist, oder ob man einfach nur eine neue Kamera haben möchte – die ggf. andere Vorteile mit sich bringt. Insbesondere was den Amateurbereich angeht. Im Profibereich sehe ich das anders: Je nachdem, in welchem Bereich man fotografisch angesiedelt ist, benötigt der Kunde Highendqualität. Rauschen ist nicht erwünscht, kann ich nachvollziehen. Klar, man kann in der Nachbearbeitung technisch heute schon sehr viel herausholen und ein Bild schick machen. Das bedeutet allerdings Arbeit, das bedeutet Zeit, und Zeit ist Geld, was der Kunde ggf. nicht bereit ist zu zahlen. Wer sein Geld mit der Fotografie hauptamtlich verdient, muss in der Lage sein, das verfügbare Budget einzuhalten.
Für mich, als künftigen “nur noch” Hobbyfotografen sehe ich das nicht so. Ich habe Zeit, mir sitzt keine Abgabefrist im Nacken und schon gar kein Budget, welches ich einhalten muss. Warum sich also Stress machen? Das verstehe ich in manchen Fotogruppen (Nicht-Profis) einfach nicht, was da streckenweise für eine Welle gefahren wird. Zumal die Weiterentwicklungen in meinen Augen überschaubar sein. Bei der Sony stehe ich immer noch bei der a6500. Die a6600 hat mich nicht überzeugt, zumal sie teilweise weniger kann als die a6500. Die a6700 hat Verbesserungen, aber ich vermisse den großen Wurf. Vielleicht für Leute, die Action fotografieren, bietet die Weiterentwicklung des AF Vorteile. Ich brauche das einfach nicht.
Das ist genau die Frage, die man sich stellen sollte: Was brauche ich wirklich, um mich weiterzuentwickeln? Hängt mein fotografisches Glück am Rauschen meiner Kamera? Meistens ist nicht die Kamera der limitierende Faktor. Oft ist es das eigene Knowhow, an dem man arbeiten kann. Oder auch der verfügbare Objektivfuhrpark. Dann das Geld lieber in sich selbst in Form von Workshops u.ä. oder in Objektive investieren. Andere Optiken erlauben auch andere Sichtweisen. Einfach mal drüber nachdenken 🙂


Tja, was soll ich da sagen – für mich ist „Bildrauschen“ (aka Korn) eher ein Stilmittel und solange damit die Bildaussage, die Geschichte oder die Emotion, die ich vermitteln möchte nicht komplett verfälscht werden, ist, ist es mir sehr egal. Ja, geht „technisch“ besser – aber nein: Ein Bild ohne Aussage hilft auch ein abwesendes Rauschen nicht viel.
Keep on shooting! 😉
Das stimmt. Ich lasse auch immer wieder gerne mal das Rauschen im Bild, weil es irgendwie dazu gehört. Auf der anderen Seite ist es aber auch gut zu wissen, was möglich wäre, wenn man es denn mal “braucht”. Aber gerade bei meiner Fuji lasse ich auch bei niedrigen ISOs gerne mal eine Portion Körnun mit ins JPG reinrechnen. Weil es mir eben gefällt. 🙂