Wir haben 2025 und wenn man durch die Foren schaut, dann ist ein sehr beliebtes Thema immer noch: ISO-Rauschen. Mir stellt sich die Frage, warum? Muss man immer den neuesten Sensor verbaut haben, damit man rauschfreie Bilder bekommt? Muss man jedes Mal nach Neuerscheinen einer Kamera zum Händler rennen oder beim Online-Händler den “Kaufen”-Button drücken? Ich finde nicht.
Es sei eines vorausgeschickt: Ich möchte mit diesen Zeilen weniger die Berufsfotografen ansprechen. Denn dort sind die Ansprüche auch hinsichtlich eines Workflows andere. Denn Zeit und Qualität kostet Geld, die Ansprüche an das Ergebnis sind vom Kunden bestimmt. Hier geht es ganz klar um Geld. Deshalb werden Berufsfotografen im Folgenden eher lächeln, aber das ist auch ok, denn sie sind nicht die Zielgruppe dieses Artikels. Wobei – je nach Thema – vielleicht ja doch.
Es geht heute um die Amateure, diejenigen, die mit “nur” aus Leidenschaft fotografieren, aber eben mit der Fotografie kein Einkommen erzielen müssen, das die Miete bezahlt und den Kühlschrank füllt. Es geht also um diejenigen, die nicht davon abhängig sind, immer Spitzenqualität abliefern zu müssen.
ISO-Rauschen war vor 15 Jahren ein durchaus ernstes Thema. Ich erinnere mich noch, wie ich 2009 von meiner Sony R1 auf meine Nikon D700 umgestiegen bin, in Sachen Rauschen war das eine andere Hausnummer. Ja ich weiß, Äpfel mit Birnen, hier APS-C, dort Vollformat. Aber es geht um das Rauschen grundsätzlich. Ein paar Jahre später war ich mit mir am hadern, denn es gab da die D3s, die halt jünger war als meine D700, einen besseren und rauschärmeren Sensor besaß. Zwischen ihr und mir standen aber ein mittlerer vierstelliger Betrag. Ich war schon dabei, mein Budget entsprechend anzupassen, da kam Adobe mit einem für damalige Verhältnisse sensationellem Update für Lightroom (das heutige Lightroom Classic) ums Eck, dass eine, ich erwähnte es schon, für damalige Verhältnisse anständige Rauschreduzierung an Bord hatte. Für meinen Bedarf war das ausreichend, und somit sparte ich mir eben diesen Betrag – und habe die Wirtschaft nicht angekurbelt.
Kommen wir in die Gegenwart. Vor einiger Zeit hat Adobe sein Lightroom (ja auch Photoshop) mit einer eigenständigen, KI-basierten Funktion zum Entrauschen von Bildern ausgestattet, mit dem letzten Update muss dazu nicht mal mehr eine gesonderte Datei erzeugt werden. Die Ergebnisse sind sehr beeindruckend und dabei ist Adobe, laut verschiedenen Testberichten, an der Stelle nicht einmal top of the pops, da gibt es Programme, die das noch besser können. Aber selbst Adobe wirft Ergebnisse raus, wo man sich schon die Frage stellen muss, ob die Anschaffung einer neuen Kamera nur des ISO-Rauschens wegen, sein muss. Ich möchte Euch das einmal anhand eines Bildes zeigen, dass ich 2013 mit einer Sony Nex-6 mit ISO 25.600 (man gönnt sich ja sonst nichts) aufgenommen habe. Hier einmal ohne jegliches Entrauschen:

Durch das Herunterrechnen auf Webgröße geht schon ein wenig Rauschen verloren, aber man sieht es dann doch noch mehr als deutlich. Früher hätte man das sicher als “Korn” verkauft 😉 Hier nun die Version, die ich heute mit der derzeit aktuellen Version von Lightroom Classic mit der Standardeinstellung, also 50% erstellt habe:

Eine ganz andere Hausnummer. Mir stellt sich da die Frage: Brauche (!) ich wirklich neue Kameras, nur um des ISO-Rauschens willen? Ich bin immer noch mit einer Sony a6500 und der Fuji X100V unterwegs. Sie tun das, was sie sollen, was ich brauche. Von daher ist der Brauchen-Faktor an dieser Stelle nicht gegeben. Die Nachfolger haben andere Features (oder auch nicht), die ich spannend finde. Ist aber eine andere Baustelle.
Deshhalb: Überlegt Euch, ob Ihr eine neue Kamera braucht, oder ob Ihr bestimmte “Nachteile” nicht per Software ausgleichen könnt und Ihr Euch statt einer neuen Kamera lieber ein neues Objektiv gönnt. Objektive sind halt schon sehr sexy 😉


